Hypnose verstehen

Hypnose verstehen

Hypnose verstehen

Das Thema Hypnose betreffend, existieren vielerorts zu Unrecht erhebliche Vorurteile und Missverständnisse. Die sich daraus ergebende Folge ist, dass Menschen, für die Hypnose geradezu eine der am besten geeigneten Methoden sein könnte, die erfolgreiche Inanspruchnahme hilfreicher Hypnose-Sitzungen nicht wagen. Der vorliegende Beitrag "Hypnose verstehen - Chancen nutzen" beleuchtet das Thema sachlich, erläutert Zusammenhänge und liefert Antworten auf häufig gestellte Fragen.

Was ist Hypnose ?

Der Begriff Hypnose (griech. ὕπνος hypnos, 'Schlaf') bezeichnet einen tief entspannten Zustand mit gebündelter Aufmerksamkeit. Ganz im Gegenteil zur wörtlichen Übersetzung ist Hypnose (man ging in früheren Zeiten davon aus, dass Hypnose ein schlafähnlicher Zustand sei) keineswegs Schlaf und auch kein schlafähnlicher bzw. bewusstloser Status, sondern ein Zustand höchster Konzen-tration, welcher auf das Thema und die Worte des Behandlers gerichtet ist und während tiefer Entspannung einen leichteren Zugang zum Unterbewusstsein des Klienten ermöglicht. Dieser Zustand der tiefen hypnotischen Entspannung wird als "Trance" bezeichnet.

Hypnose - Ein natürlicher Zustand !

Wir befinden uns jeden Tag mehrfach in Hypnose, ohne uns darüber im Klaren zu sein. Vielleicht kommen Ihnen die beiden nachfolgend beschriebenen Szenarien bekannt vor.
Wenn Sie beispielsweise gerade in eine überaus spannende Passage des Buches, das Sie gerade lesen, eintauchen und nicht wahrnehmen, dass Sie von einer anderen Person angesprochen werden, befinden Sie sich in Hypnose.
Physikalisch betrachtet, registriert Ihr Gehirn diesen Höreindruck durchaus; das lässt sich durch bildgebende Verfahren (z.B. mittels fMRT/Funktionelle Magnetresonanz-tomographie) nachweisen. Ihre Aufmerksamkeit ist in diesem Moment jedoch mit allen Wahrnehmungskanälen auf die Geschichte Ihres Buches fokussiert, Ihr Gehirn stuft die Worte der ansprechenden Person zu diesem Zeitpunkt als weniger bedeutend ein und lässt sie (zunächst) nicht zu Ihrem Bewusstsein durch. Dies geschieht möglichweise erst nach wiederholtem Ansprechen, da das Gehirn so den Eindruck gewinnt, dass eine nun doch höhere Dringlichkeit vorliegt, welche die des Buchtextes übersteigt. Ähnliches geschieht, wenn Sie sich beim Autofahren nicht erinneren können, wie Sie die letzten Kilometer zurückgelegt haben, weil Sie vielleicht abgelenkt waren und über etwas anderes nachgedacht haben. Auch wenn Sie dies nicht bewusst erinnern können, sind Sie nicht von der Straße abgekommen und haben sich im Straßenverkehr korrekt verhalten.
Hypnose ist ein normaler natürlicher Zustand des Menschen. Kinder befinden sich während ihrer ersten Lebensjahre oft über längere Zeit täglich immer wieder in einem hypnoti-schen Zustand. Dies unterstützt die enorme Lernfähigkeit während ihrer Prägung und Entwicklung.

Ist der Klient in Hypnose willenlos ?

Während der Dauer einer Hypnose ist der Patient/Klient zu jedem Zeitpunkt in der Lage, frei zu denken, frei zu empfinden, frei zu sprechen, seinen Willen frei zu äußern, frei zu entscheiden und frei zu handeln. Es ist nicht möglich, einen Patienten/Klienten in Hypnose gegen seinen eigenen Willen zu beeinflussen. Der Patient/Klient hat die volle Kontrolle über seinen Willen und kann jederzeit frei danach handeln.

Was hat es mit dem Unterbewusstsein auf sich ?

Unser Unterbewusstsein steuert den weitaus größten Teil unseres Fühlens, Erlebens, Denkens, Entscheidens und Handelns. So sind beispielsweise eine Vielzahl von Entscheidungen, die wir bewusst zu treffen glauben, bereits von unserem Unterbewusstsein gebahnt, noch bevor unserem Verstand klar wird, dass eine Entscheidung ansteht. Das ist einerseits sinnvoll, da wir drohende Gefahren in rasant kurzer Zeit unbewusst erkennen können, ohne lange überlegen zu müssen, kann jedoch andererseits auch sehr belasten, wenn uns Prägungen/Konditionierungen/Denkmuster/Glaubenssätze in eine unerwünschte belastende Richtung führen.
Das Unterbewusstsein begleitet jeden Menschen ein ganzes Leben lang. Es ist bereits vom Beginn unseres Lebens an aktiv und speichert jedes Lebensereignis (Lebenssituationen, Erfahrungen mit anderen Menschen und Tieren, körperliche und seelische Erlebnisse, Schmerzen, Gefühle, Erfolge, Misserfolge etc.) für künftige Zugriffe ab. So gesehen, kennt das Unterbewusstsein zu jedem Zeitpunkt im Leben eines Menschen jede Situation und jedes Problem, aber auch jede Lösung. Und genau darin liegt die große Chance, seelische und körperliche Veränderungen zum Wohle des Klienten herbeiführen zu können.

Was geschieht in Hypnose ?

Grundlage einer jeden Hypnose ist ein tiefer Entspannungszustand (Trance). Die Intensität dieses Entspannungszustandes richtet sich dabei nach den Suggestionen des Behandlers und den Themen und Aufgaben, die in Hypnose bearbeitet werden sollen. Während der bestehenden Trance öffnet sich das Unterbewusstsein des Patienten/Klienten und erlaubt einen leichteren Zugang, als dies andernfalls möglich wäre. Die Sprache des Unterbewusstseins sind im Schwerpunkt innere Bilder, Vorstellungen und Gefühle. Worte erfüllen in der Mehrzahl der Fälle den Zweck, die mit ihnen assoziierten Bilder, Emotionen und Vorstellungen zu erzeugen. Der Klient wird im Zusammenhang seines Themas mit der Unterstützung des Behandlers durch Situationen und Erlebnisse geführt und lernt konstruktiv sowie lösungsorientiert mit ihnen umzugehen. Der Behandler ist für die von ihm eingesetzten Methoden und Verfahren ausgebildet und kennt eine Vielzahl von Techniken, um mit dem Unterbewusstsein des Patienten/Klienten zu kommunizieren.

Wie wirkt Hypnose ?

Die Suggestionen/Botschaften des Behandlers gelangen in Hypnose sehr leicht ins Unterbe-wusstsein. Erste positive Veränderungen beim Patienten/Klienten und die Motivation, diese bei der Bewältigung der alltäglichen Aufgaben auch durchzuhalten, lassen sich entsprechend verankern. Weiterhin, und das ist das eigentlich Wesentliche, kann so ein positiver Veränderungsprozess in Gang gesetzt werden, der eine das Gesamtsystem des Menschen regelnde Eigendynamik in Körper, Geist und Seele entwickelt.
Der Patient/Klient fühlt sich nach der Hypnose ruhig, entspannt, wach und konzentriert. In den folgenden 48-72 Stunden wirkt die Hypnose noch etwas nach, so dass er noch suggestibel ist. Aus diesem Grund lautet die allgemeine Empfehlung, 2-3 Tage nicht mit anderen Personen über die Hypnosesitzung zu sprechen, um die in der Hypnose erreichte Intensität der Ergebnisse, in ihrer Wirkung nicht zu beeinflussen.

Welche Personen eignen sich zur Anwendung von Hypnose ?

Unverzichtbare Voraussetzungen für eine erfolgreiche Hypnose/Trance sind Sprachverständnis, Entspannungsfähigkeit und Suggestibilität des Patienten/Klienten. Suggestibilität bedeuted in diesem Zusammenhang das Maß, in dem der Patient/Klient die Suggestionen oder Botschaften des Behandlers in sich aufnehmen und umsetzen kann. Man geht heute davon aus, dass ca. 60% der Patienten/Klienten durchschnittlich suggestibel, 20% hoch-suggestibel und 20% nicht bzw. nur schwer suggestibel sind. Entspannungsfähigkeit und Suggestibilität lassen sich aber auch durch den Patienten/Klienten selbst trainieren. Auf diese Weise können die Voraussetzungen für den Einsatz von Hypnose geschaffen bzw. verbessert werden. Bei hypnose-interessierten Menschen können jedoch besondere Gründe bzw. Restriktionen vorliegen, welche dazu geeignet sind, vom Einsatz der Hypnose und hypnose-ähnlichen Verfahren Abstand nehmen zu wollen; dies wird im Einzelfall explizit vom Behandler abgeklärt. Sollte dies der Fall sein, können vom Behandler alternative Methoden angeboten werden. Hypnose und hypnose-ähnliche Methoden eignen sich grundsätzlich für Erwachsene und ältere Menschen, für Jugendliche und für Kinder (Empfohlenes Mindestalter: 10 Jahre), wenn sich keine besonderen Hinderungsgründe oder Einschränkungen (Kontraindikationen) ergeben, welche gegen den Einsatz von Hypnose sprechen. Sollten Patienten/Klienten die deutsche Sprache nicht verstehen, können Hypnose-Sitzungen alternativ in englischer Sprache durchgeführt werden.

Welche Einsatzmöglichkeiten bietet Hypnose ?

In vielen Belastungssituationen ist Hypnose einer der einfachsten und elegantesten Wege zur Auflösung. Wurden körperliche (somatische) und seelische (psychische) Zustände des Menschen noch vor gar nicht allzu langer Zeit völlig getrennt voneinander gesehen und wurde keine gegenseitige Beeinflussung vermutet, so weiß man heute, dass es keinen körperlichen Zustand gibt, der nicht auch eine seelische Beteiligung bewirkt und umgekehrt. Man sagt, der Körper sei "die Bühne" für unverarbeitete innerseelische Konflikte. So kann sich psychischer Leidensdruck bei längerer Nichtbeachtung, Verdrängung bzw. Dissoziation auf die körperliche Ebene verschieben und sich dort ausdrücken. Man spricht in diesem Fall von einem psychosomatischen oder somatoformen Geschehen. Der Zusammenhang zwischen der seelischen Auslösung und den körperlichen Auswirkungen muss jedoch nicht immer direkt erkennbar sein, da der Leidensdruck eines Patienten/Klienten vielschichtig und die Zeitspanne zwischen der seelischen Auslösung bis zur Erkennung körperlichen Auswirkungen mitunter sehr groß sein können.
Hypnose ist in besonderem Maße dazu geeignet, Ursachen bzw. Auslöser und deren Zusammenhänge mit ihren jeweils belastenden Auswirkungen erkennen und ihnen zielgerichtet entgegenwirken zu können. Einsatzmöglichkeiten ergeben sich aus den Folgen negativer, oft bereits frühkindlicher Prägungen, Konditionierungen, Glaubenssätze und Überzeugungen, welche in vielen Fällen zu hohen Belastungen, Hindernissen und Blockaden führen und ein ausgeglichenes glückliches Leben der Betroffenen nahezu boykottieren. Aber auch die Veränderung lange eingeübter, jedoch belastender Gewohnheiten können Themen sein. Hervorragende Einsatzmöglichkeiten der Hypnose ergeben sich insbesondere u.a. bei der Behandlung von Trauma-Folgestörungen, Angst-/Panik-Störungen, Selbstwert-Defiziten, akuten und chronischen psychogenen Schmerz-Zuständen, Phobien, Gewichtsreduktion und Raucherentwöhnung.